Galaxia Kriti 2017 – Über dem Libyschen Meer 3 von 3

Klippenhäuschen: Auf Augenhöhe mit Mauerseglern und Falken

Juni 2017: Zwei Jahre ist es her, dass wir im Mai 2015 GALAXIA KRITI besuchten, für eine Woche das Höhlenhaus bezogen. Zwei weitere Jahre zurück, im Juni 2013 war ich das erste Mal hier, wohnte eine Woche im Kleinen Haus. Rupert Kettner, Besitzer der Ferienhäuser, hat erneut gebaut: das Kliffhäuschen, hoch über dem Meer, direkt neben dem höchsten Punkt seines Grundstücks. Vorfreudig verfolgten wir über den Winter den Fortschritt der Bauarbeiten im Internet auf Rupert’s Seite zum Kliffhäuschen, bis es im Frühjahr fertiggebaut war, eingerichtet und bereit für die ersten Gäste.

Kalt war es und regnerisch, bis gestern, sagen die Kreter uns, als wir eintreffen. Überall leuchtet das frische Grün. Wären wir von Osten mit dem Auto gekommen, über Agia Galini, hätten wir kurz vor dem Eintreffen das Haus hoch oben an der Klippenkante sich wie ein Scherenschnitt an den Fels schmiegen sehen. So kamen wir von Norden über Spili und haben das später für die Fotos nachgeholt und festgehalten.

Wir parken neben dem großen Haus, laufen dahinter vorbei nach Osten die gut fünfzig Meter bis zum nagelneuen Klippenhaus.

Der Ausblick vom Klippenhaus ist wirklich atemberaubend: Ostwärts schaut man von der Terrasse nach unten auf den kleinen Strand (siehe Aufmacherbild und viel weiter unten im Bericht), der auch 2017 vormittags von ELIZABETH, dem Sonnenblumen-gelben Motorboot angesteuert wird, das Tages-Badegäste bringt. Geradeaus im Süden gen Afrika liegen die Paximadia-Inseln im Meer: Sie kleiden sich oft mehrfach täglich, manchmal stündlich komplett neu, mit Dunst, den phantasievollsten Wolkenformationen, schaumgekrönten Wellen.

Weit im Westen sind an der Küste ein paar neue Häuser auf Nachbargrundstücken dazugekommen. Sie sind jedoch weit genug entfernt, um die Stille hier zu erhalten: Nur die Vögel fliegen rufend vorbei, gelegentlich tuckert ein Motorboot mit Ausflüglern, Fischern oder Tauchern die Steilküste entlang. Nach wie vor ist es ein grandioses Schauspiel, der Sonne beim Untergehen zuzuschauen, ganz besonders, wenn sie dabei zusammen mit einem der jetzt im Juni schon selten gewordenen Regenschauer den Himmel in Mauve taucht.

Zum Meer hin halten wir die wunderschönen, von Rupert selbst entwickelten Holz-Glas-Falttüren geöffnet, Tag & Nacht. Sie lassen jede Menge Licht, Luft und eine frische Brise ins Klippenhaus, vielfach variierbar von massig bis fein dosiert.

Von der Ausstattung her gleicht das dritte kleine Haus den beiden ersteren, wobei wir finden, dass die neueste Kreation insgesamt ästhetisch noch einmal eins drauflegt, mit ihren sehr fein aufeinander abgestimmten Farben, der dezenten Keramik.

Wer seine Musik hören will, kann sie jetzt drahtlos per Bluetooth abspielen, das parallele Laden mit gespeicherter Solarenergie von Kamera-Akkus, Smartphone, Tablet plus Akkublock war problemlos möglich. Ein neues Druckreglermodell hilft dem Gaskocher auf die Sprünge und jagt den Dampf jetzt so schnell durch das Kaffeepulver, dass ganz neue Geschmackshöhen erreichbar sind und die Kaffeezubereitungszeit sich deutlich reduziert.

Wir genossen den Rückzug in vollen Zügen, schliefen fast täglich länger als zuhause. Im immer noch neuen, kleinen, familiengeführten Lieblings-Supermarkt in Spili, von Süden ortseinwärts kurz nach der Apotheke, auf Höhe der Bäckerei links steil hinab zum Parkplatz, fanden wir ein vielfältiges Sortiment an Bio-Obst und -Gemüse aus der Region. Die Kühlvitrinen dort sind reich gefüllt mit abgepacktem Käse, doch am appetitlichsten ist der frische per freundlicher Bedienung aus der Kühltheke mit Produkten aus der direkten Umgebung.

Wir probierten das Olivenöl der Kräuter- und Kosmetikmanufaktur MARAVEL HERBS in Spili (kräftig, fruchtig), das laut unseren Gaumen noch übertroffen wurde vom Olivenöl des Vaters des Töpfers Stavros Kallonakis, für kleines Geld im Ausstellungsraum der Keramik-Manufaktur HYDRA in Asomatos mitverkauft.

Seit ich 2009 nach 18-jähriger Abstinenz das erste Mal wieder auf Kreta war, über ein Yoga-Retreat in diese Gegend kam und Stavros traf, besuche ich ihn nach Möglichkeit jedes Mal, wenn ich auf der Insel bin. Und nehme zusammen mit ein paar Stücken seiner wunderschönen, minoisch beseelten, leuchtenden Gebrauchskeramik die feurig-erdigen Vibes des wilden Südens Kretas mit nach München. Wir essen fast täglich aus den kraftvollen Schalen und sie zaubern uns unausweichlich ein warmes Gefühl in den Bauch und ein anhaltendes Lächeln in’s Gesicht.

In der Mitte unserer Woche kam Rupert auf dem Rückweg vom Strand –– er bevorzugt hier den familientauglichen ostwärts am Bootsanleger, wo er auch sein E-Boot parkt (mit dem er im Bild direkt vor seinem Portrait im letzten Abendlicht in See sticht) –– bei uns vorbei auf ein Glas Rosé, reparierte das Kabelkupferrohr der schönen, selbst-designten Esstischlampe und montierte noch die bei Bedarf helles Sommerlicht dämpfenden Rattan-Rollos.

Wir präferieren die Felsenbucht gen Westen, in der das Wasser noch immer glasklar und so sauber ist, dass es Dir auch 2017 nicht gelingen will, einen einzigen „Müllschlucker“-Seeigel zu finden.

Der Weg zur westlichen, felsigen Badebucht startet außen am Zaun neben Rupert’s Einfahrtstor zum Grundstück. Er führt weiter unten zwar nahe an einem Haus auf dem Nachbargrundstück vorbei, funktioniert jedoch nach wie vor problemlos, da die Meerzugänge öffentlich bleiben müssen.

Der Besitzer des Hauses nahe am Wasser baute eine nicht zu übersehende Treppe aus Natursteinen und montierte an ein paar Stellen Edelstahlbadeleitern am Fels, womit auch etwas weniger sportliche Gäste hier sicher in’s Wasser und wieder heraus kommen.

Gerne hätte ich auch vom Klippenhaus aus eine leuchtende Milchstraße mit der Kamera eingefangen, doch das ließ dieses Mal der glanzvoll strahlende Vollmond nicht zu, der sich stattdessen selbst mehrfach als Motiv anbot und fotogen in Szene setzte.

Auch 2017 verstrich die Zeit im Flug, und schon hieß es erneut: YASSAS, Galaxia Kriti. YASSAS, Rupert.
Und: Danke.

Text & Fotos © Copyright Jens-Gerhard Schnabel 2017